a day in the live of a carthusian                          2004

Kunst am Bau : Herberge Kartause Ittingen  altes und neues Treppenhaus

Architekten: Regula Harder und Jürg Spreyermann, Zürich

Farbgestaltung:Harald F. Müller, Oehningen

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1.  Situation

Personen die in Zukunft die Herberge  beleben, werden in ihrem Tagesablauf als Seminar- oder KongressteilnehmerInnen und VeranstaltungsbesucherInnen mit mannigfaltigen akustischen  Ereignissen konfrontiert sein.  Insbesondere Sprache in verschiedenen akustischen Räumen und Geräusche, die durch das Leben und Arbeiten in den Gebäuden  entstehen, werden die Menschen durch den Tag begleiten. Das individuelle Zimmer in der Herberge ist demgegenüber Rückzugs-, Erholungs- und Ruheort.

Die alltägliche Geräuschwelt im öffentlichen Bereich eines Hotelbetriebes ist unausweichlich und wird  in der Regel kaum bewusst wahr genommen, oder oft erst in dem Moment, wo ein anderer akustischer Raum, wie das individuelle Hotelzimmer, betreten wird. In dieser Übergangssituation werden die Geräusche im Veschwinden für kurze Zeit bewusst wahr genommen, bevor man in die Atmosphäre des „eigenen“ Zimmers eintaucht.

Das Projekt Treppenhaus bespielt den öffentlichen Bereich altes und neues Treppenhaus und gibt diesem ein eigenes, unverwechselbares akustisches Gepräge.

Dieser öffentliche Raum wird zum musikalischen Resonanzraum.

2. Der Fluss der Zeit  – die auditive Uhr

Bei der Beschäftigung mit dem Leben der Kartäuser sticht, neben der Betonung der Bedeutung von Stille und Zurückgezogenheit, vor allem die strenge zeitliche Rhythmisierung des Tagesablaufs ins Auge. Die Tonarbeit im Treppenhaus bezieht sich auf diesen eindrücklichen, für uns moderne, selbstbestimmte Menschen kaum nachvollziehbaren Aspekt. Im langsamen Wechsel von Bewegung und Stille entsteht in den Räumen des Treppenhauses eine auditive Uhr.

Jede Stunde geschieht ein Ereignis von 3-5 Minuten Dauer. Die Uhr orientiert sich am Tagesablauf der Kartäusermönche und Laienbrüder und beginnt morgens um 6 Uhr 30 und endet Abends um 19 Uhr 30. Um 24 Uhr findet nochmals ein sehr stilles Ereignis statt  und markiert der Nachtmesse.

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3. Raumklang – Mehrkanal-Tonarbeit

In den bespielten Räumen sind insgesamt 11 kleine Lautsprecher angebracht, vier davon vertikal im neuen Treppenhaus und je einer auf jedem Stockwerk im hinteren Teil der an dasTreppenhaus angrenzenden Hallen. Drei weitere sind im alten Treppenhaus angebracht. Das Tonmaterial ist auf  8 unabhängigen Tonspuren untergebracht. Dadurch kann jeder Lautsprecher mit seinem eigenen Tonmaterial bespielt werden. Auf jedem Stockwerk sind gleichzeitig verschiedene Klänge möglich, oder ein Klang kann von unten im Parterre langsam nach oben wandern oder auf jedem Stockwerk von vorne im Raum nach hinten und umgekehrt.  Es sind alle erdenklichen Klangbewegungen im Raum möglich.

Durch dieses Konzept wird die Raumausdehnung akustisch wahrnehmbar. Die Lautsprecher können aber auch die Funktion von Türen oder Fenstern in neue, imaginäre Räume übernehmen

c 2004   Ernst Thoma  Flurweg 1  8260 Stein am Rhein

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rev 07.2017

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